Jagdtourismus gefährdet seltene Vogelarten – Proteste gegen Dortmunder Jagdmesse

Dortmund / Buenos Aires. Naturschützer haben die auf der Dortmunder Messe „Jagd & Hund“ präsentierten Angebote für Jagdreisen nach Südamerika scharf kritisiert.

Deutsche, spanische und amerikanische Jagdtouristen – so der Vorwurf des Komitees gegen den Vogelmord und seines Partnerverbandes „Aves Argentinas“ – töten in der argentinischen Provinz Buenos Aires jedes Jahr Zehntausende überwinternder Wasservögel, darunter auch seltene und vom Aussterben bedrohte Arten.

Angelockt durch Angebote auf der Messe im Ruhrgebiet fliegen deutsche Jäger nach Angaben der Vogelschützer scharenweise in die argentinische Hauptstadt, um in der Umgebung auf Vögel zu schießen. Zitat aus einer Broschüre der Agentur „Westfalia Jagdreisen“: „Es gibt kaum einen anderen Ort auf Erden, an dem eine so große Federwildstrecke wie hier erzielt werden kann. Flugwildjäger aus der ganzen Welt kommen nach Argentinien, um endlich aus dem Vollen zu schöpfen.“

„Mit Jagd oder Respekt vor Wildtieren hat das überhaupt nichts zu tun. Es geht schlicht darum, soviele Tiere wie möglich zu töten“, berichtet Komiteepräsident Heinz Schwarze und verweist auf Werbe-Fotos im Internet, auf denen Jäger vor Hunderten abgeschossenen Vögeln und Bergen leerer Kartuschen posieren. Besonders ärgert die Vogelschützer, dass auch immer wieder international bedrohte und in Argentinien streng geschützte Arten im Schrothagel der ausländischen Jagdgäste verenden.

Aktuelle Untersuchungen haben gezeigt, dass sich viele Jagdtouristen nicht an das Gesetz halten und Schutzgebietsgrenzen nicht respektieren, so Andrés Bosso, Direktor von Aves Argentinas. Bei Kontrollen sind nach Angaben des Verbandes immer wieder abgeschossene Magellan-, Graukopf- und Rotkopfgänse festgestellt worden. Alle drei gehören zu den international gefährdeten Vogelarten – der gegenwärtige Weltbestand der Rotkopfgans wird von Experten auf etwa 950 Paare geschätzt – Tendenz rückläufig.

Zwar seien von der argentinischen Regierungen strenge Schutzbestimmungen erlassen worden, 2in der Praxis nützen die jedoch nur wenig“ so Bosso. Das Problem: Die gefährdeten Gänse fliegen zusammen mit ähnlich gefärbten, häufigeren Artgenossen von den Schlafgewässern ab. Genau dort warten dann die Jägergruppen und schießen mit Schrotsalven in die gemischten Schwärme hinein. Fehlabschüsse sind deshalb an der Tagesordnung.

Doch was die Bestände seltener Arten gefährdet, ist für die Jäger ein großer Spass und für die Jagdreiseveranstalter ein gutes Geschäft. So kostet z.B. ein einwöchiger Jagdaufenthalt in Buenos Aires, inklusive unbegrenzter Gänse-Abschüsse, Munition, Flug und Verpflegung zwischen 4000 und 6000 Euro pro Person.

Um gegen die nach Ansicht von Wissenschaftlern und Vogelschützern verantwortungslosen „Schießreisen“ vorzugehen, hat das Komitee die Organisatoren der Dortmunder Jagdmesse aufgefordert, grundsätzlich keine Angebote für die Jagd auf Zugvögel mehr zuzulassen. Aves Argentinas will sich dafür einsetzen, dass die Rastgebiete der Rotkopfgänse in Zukunft besser überwacht und illegale Abschüsse von der Polizei kosequent verfolgt werden.

Mehr Informationen auf www.komitee.de.

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