Mallorca: Vogelschutz auf den Balearen

Mallorca ist seit jeher die „Lieblingsinsel“ der Deutschen und europaweit bekannt für seine Gastfreundlichkeit, die einmaligen Strände und eine üppige Natur. Doch kaum ein Reiseführer erwähnt die Tatsache, dass die Balearen aufgrund ihrer Lage auch für den Vogelzug von großer Bedeutung sind.

Traurige Wahrheit ist auch, dass in jedem Herbst Jäger auf der Insel viele Tausend Vögel abschießen oder mit Lockvögeln in ihre extradünne Fangnetze locken.

Die Jagd auf Singvögel mit dem sog. „filat“ – einem ca. 15 m² großen Nylonnetz – hat auf Mallorca leider eine lange Tradition und wird bis zum heutigen Tage noch von etwa 3.000 Vogelfängern mit offizieller Lizenz ausgeübt.

Hinzu kommen aber noch die ca. 24.000 Hobbyjäger, die nach Schätzungen pro Jahr mehr als eine halbe Million (!) Zugvögel mit Schrotflinten abschießen; darunter auch so bedrohte Arten wie Turteltauben, Wachteln oder Bekassinen.

„Diese Arten haben in Deutschland stark abgenommen und sind in einigen Bundesländern vom Aussterben bedroht“, ärgert sich Heinz Schwarze, Präsident des Bonner Komitees gegen den Vogelmord. „Die Zugvogeljagd auf Mallorca und anderen Mittelmeerinseln konterkariert die Schutzbemühungen, die bei uns seltenen Arten helfen sollen“, so der Ornithologe.

Da bisher sämtliche Forderungen von Vogelschützern nach einem Verbot der Jagd abgelehnt wurden, hat das Komitee nun gemeinsam mit seinem mallorquinischen Partnerverband GOB (Grup Balear d´Ornitologia i Defensa de la Naturalesa) ein Konzept zur Schaffung großflächiger privater Jagdverbotszonen (sog. Refugi di caca) entwickelt.

Im Mittelpunkt des Konzeptes stehen dabei die großen Fincas, auf denen die Jäger bisher gegen Zahlung einer Gebühr ungestört ihrem Treiben nachgehen dürfen.

Damit soll allerdings bald Schluss sein, denn im Gegensatz zu Deutschland ist es in Spanien für Eigentümer möglich, ihren Grund und Boden behördlich zu einer Art „No-Go-Area“ für Vogeljäger zu deklarieren.

Dafür muß die Finca von ihrem Besitzer laut Jagdgesetz gemeinsam mit einem Naturschutzverband als Vogelschutzgebiet (Refugi di caca) zugelassen werden. Diese Zulassung erfolgt durch das Umweltministerium (Conselleria de Medi Ambient) der Balearen.

„Unsere Experten helfen bei allen Amtsgängen, besorgen die notwendigen Schilder und erstellen ein faunistisches Gutachten“, so der Biologe Gerald Hau von der GOB aus Palma de Mallorca.

Erste Gespräche mit interessierten Landbesitzern seien bereits äußerst erfolgreich verlaufen, so Hau. Zwei Fincas mit einer Gesamtfläche von fast 100 Hektar wurden schon komplett für die Vogeljagd gesperrt und sogar der prominente deutsche Musiker Peter Maffay hat sich bei den Vogelschützern gemeldet und angekündigt, seine Finca (ca. 140 ha) bei Pollenca offiziell zum Vogelschutzgebiet erklären zu lassen.

Um die Fortschritte der Kampagne für die Öffentlichkeit zu dokumentieren, soll nun jährlich ein Bericht erstellt und im Internet veröffentlicht werden.

Für Flächenbesitzer, die ihren Grund und Boden für die Jagd sperren lassen möchten, hat das Komitee eine Broschüre mit dem Titel „Verwandeln Sie ihre Finca in ein Vogelschutzgebiet gegen die Jagd“ herausgegeben.

Die Broschüre (in Deutsch, Spanisch und Mallorquin) ist kostenlos erhältlich beim Komitee gegen den Vogelmord (info@komitee.de) oder bei der GOB (info@gobMallorca.com).

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