Unbekannter fängt Singvögel – 146 Leimruten sichergestellt

Bonn. Als Klaus Peter Schäfer, Leiter des Abenteuerspielplatzes „Brüser Dorf“ in Bonn-Hardtberg, am Freitag von Kindern auf eine hilflose Meise in einem Gebüsch aufmerksam gemacht wurde, ahnte er noch nichts Böses.

Als er sich dem Tier näherte flog es davon, aber „ein Teil der Federn blieb an den Ästen hängen“, so Schäfer. Bei der näheren Untersuchung des Fundortes stellte er fest, dass in einem Gebüsch zahlreiche Äste mit einer klebrigen Masse überzogen waren, auf der an einigen Stellen Vogelfedern klebten. Darüber hing ein grüner Spender mit Vogelfutter, den er noch nie zuvor gesehen hatte.

Ein Anruf beim Bonner Komitee gegen den Vogelmord bestätigte seinen Verdacht, dass auf dem Spielplatz am Rande des Kottenforst Singvögel gefangen wurden.

Als Experten des Komitees den Platz am Wochenende noch einmal genau unter die Lupe nahmen, entdeckten sie insgesamt 146 frisch präparierte Leimruten, die in einer Bretterbude und im Gebüsch am Rande des Spielplatzes versteckt waren. An einer Stelle war auf der Erde Vogelfutter verstreut und rundherum ebenfalls Leimruten ausgelegt worden.

„Wir haben es hier mit einem umfangreichen Fallenarsenal zu tun, das sehr professionell eingesetzt wurde und dem mit Sicherheit viele Vögel zum Opfer gefallen sind“, so Komiteevorsitzender Heinz Schwarze. An den Leimruten klebten nach Angaben des Komitees Federn von Buchfinken, Amseln, Blaumeisen, Kohlmeisen, Weidenmeisen und Rotkehlchen.

Mitarbeiter des Vereins Brüser Dorf und des Komitees haben am Sonntag und am Montag die Umgebung des Spielplatzes und den nahen Waldrand nach weiteren Fangplätzen abgesucht, jedoch ohne Ergebnis. Wer trotzdem noch Fallen oder verletzte Vögel im Bereich Hardtberg findet, wird gebeten, sich mit dem Büro der Vogelschützer in Bonn (Tel: 0228-665521) in Verbindung zu setzen.

Der Fang von Singvögeln mit Leimruten ist eine Jahrhunderte alte Jagdmethode für Singvögel, die seit 1970 europaweit durch die Europäische Vogelschutzrichtlinie streng verboten ist. Hochburgen des illegalen Vogelfangs mit Leim sind die italienischen Südalpen, Katalonien und die Mittelmeerinsel Zypern.

Im Falle des Bonner Leimrutenfängers hat das Komitee gestern Anzeige bei der Staatsanwaltschaft Bonn wegen Verstoß gegen das Bundesnaturschutzgesetz (Fang geschützter Arten) und gegen das Tierschutzgesetz (Tierquälerei) Anzeige gegen Unbekannt erstattet.

„Langsam wird das zur traurigen Routine“, berichtet Schwarze und verweist auf weitere Fälle aus den letzten Wochen: Vergiftete Greifvögel in den Kreisen Düren und Heinsberg, ein abgeschossener Uhu in Schleiden, ein erlegter Sperber bei Vettweiß, alles wurde innerhalb weniger Wochen bekannt. Ein Täter wurde bisher in keinem Fall ermittelt.

Weitere Informationen zum Thema sind beim Komitee gegen den Vogelmord e.V. abrufbar.

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