Vögel füttern im Winter

Was man bei der Winterfütterung beachten sollte

Vögel füttern im Winter

Das Füttern von Vögeln ist weltweit bei Vogelfreunden sehr beliebt, und das nicht nur während der kalten Jahreszeit. Es macht einfach Spaß die Vögel an natürlichen oder künstlichen Futterstellen aus nächster Nähe zu erleben.

Ganz nebenbei kann man dabei auch eine Menge über die einheimischen Vogelarten lernen und etwas für seine Umweltbildung tun. Das gilt insbesondere für Kinder, die leider immer seltener die Gelegenheit haben, die einheimische Vogelwelt direkt zu erleben.

Man sollte sich aber bewusst sein, dass man mit der aktiven Winterfütterung kaum gefährdete Vogelarten erreicht und die Vogelfütterung im Winter daher auch keinen effektiven Schutz bedrohter Vogelarten darstellt.

Tatsächlich profitieren in Deutschland von der Winterfütterung nur wenige Arten: ca. 20 von ungefähr 250 Brutvogelarten nutzen regelmäßig Winterfütterungen.

 

Sinnvoll oder nicht?

Ob die Winterfütterung der Wildvögel biologisch tatsächlich sinnvoll ist, wird seit einigen Jahren immer wieder diskutiert.

In den letzen Jahren vertreten Vogelexperten, so wie der ehemalige Leiter der Vogelwarte Radolfzell, Prof. Dr. Peter Berthold, europaweit die Meinung, dass die winterliche Fütterung den Tieren nützt, wenn sie denn artgerecht durchgeführt wird.

Wenn man bei der Fütterung ein paar einfache Regeln beachtet, dann fügt man der Vogelwelt praktisch keinen Schaden zu und kann sich an den Wintergästen erfreuen, die sich an der Futterstelle versammeln.

Wir haben die wichtigsten Regeln nachfolgend für sie aufgelistet.

Fütterungszeiten – Wann soll man füttern?

  • Typischerweise werden Winterfütterungen in unseren Breitengraden von November bis Ende Februar durchgeführt.
  • Beginn und Ende der Winterfütterung sollten sich aber nicht starr nach dem Kalender, sondern eher nach der Witterung richten: bei geschlossener Schneedecke oder sobald der erste Frost einsetzt und die Temperaturen unter -5 Grad fallen, kann man mit der Fütterung beginnen.
  • Ist das Wetter noch mild, dann finden die Vögel in der Regel auch ohne menschliche Hilfe ausreichend Nahrung. Die Tiere sollten sich ihr Futter so lange wie möglichst selbst suchen, damit sie nicht von der Winterfütterung abhängig werden.
  • Die besten Tageszeiten für die Vogelfütterung sind der frühe Morgen und der frühe Abend. Morgens sind die Vögel von der langen Nacht besonders hungrig und vor der nächsten Nacht brauchen sie erneut Nahrung, die sie gern an einem Futterplatz zu sich nehmen.
  • Das frische Futter sollte auch etwa zwei Stunden vor Beginn der Dämmerung ausgelegt werden, damit die Vögel nach dem Fressen noch genügend Zeit haben, ein Nachtquartier zu finden.
  • Je nach Witterung ist es ratsam die Fütterung ungefähr ab Anfang März einzustellen, da viele Vögel bereits jetzt mit dem Brüten beginnen. Das kann dazu führen, dass die Altvögel anfangen die Jungtiere mit dem leicht erreichbaren Futter zu füttern. Der Verdauungstrakt der Jungvögel ist in dieser Lebensphase jedoch nur auf leicht verdauliche, proteinhaltige Insekten (z.B. Raupen) eingestellt, und nicht immer verträgt der Nachwuchs die oft schwer verdauliche Kost aus Körnern.

Welches Futter eignet sich am besten?

Körnermischung
Unsere heimischen Singvögel lassen sich was ihre Nahrung angeht ganz grob in zwei Gruppen unterteilen: Körnerfresser und Weichfutterfresser.

Zu den häufigsten einheimischen Körnerfressern gehören z.B. Meisen, Sperlinge und Finken.

In eher wintermilden Gegenden überwintern auch Weichfutterfresser wie das Rotkehlchen, die Amsel, Wacholderdrosseln oder der Zaunkönig.

Falls man unsicher darüber ist, welche Arten vorbeischauen und welches Futter diese bevorzugen werden, kann man einfach Sonnenblumenkerne streuen, denn diese eignen sich für die meisten einheimischen Vogelarten. Bei ungeschälten Kernen gibt es zwar hinterher etwas mehr zu reinigen, aber dafür verweilen die Vögel auch länger an der Futterstelle.

Insbesondere Meisen lieben Gemische aus Fett und Samen, die man als Meisenknödel kaufen oder einfach selber herstellen kann.

Weiterhin eignen sich als Winterfutter auch Getreide, Kleie oder Hühnerfutter.

Besonders wertvoll in der Vogelernährung ist Frischkost, welche nach Möglichkeit nicht gefroren sein sollte. Man schneidet z.B. einen Apfel in kleine, schnabelgerechte Stücke und bietet diesen den Vögeln an. Äpfel machen nämlich nicht nur satt, sondern versorgen die hungrigen Besucher auch mit vielen wichtigen Nährstoffen und mit Flüssigkeit. Auch weiche Kartoffeln, kleine Rübenstückchen oder Eicheln können verfüttert werden.

Im Winter (auch bei Frost) sollte man den Tieren zusätzlich Schalen mit Trinkwasser oder Badewasser anbieten. Da das ausgelegte Futter in der Regel eher trocken ist, benötigen die Vögel viel Wasser. Eine Gefahr, dass das Gefieder vereisen könnte, besteht dabei nicht, wie Beobachtungen gezeigt haben.

Was man NICHT füttern sollte

Nahezu alle Essensreste aus der Küche sind als Vogelfutter ungeeignet. So können bereits kleinste Salzmengen in der Nahrung zum Tod der Vögel durch Verdursten führen. Das gilt insbesondere für salzhaltiges Brot. Altes Brot ist grundsätzlich als kohlenhydratreiches Futter auf Dauer zu einseitig und schädlich für die Vögel.

  • Salziges: Salzhaltiges Brot, Kartoffelchips, Salzstangen, Brezeln, Wurst-, Schinken-, Speck- und Käsereste
  • Fettiges: Margarine, Butter, reines Schmalz
  • Gefrorenes: achten sie darauf, dass das Futter nicht durchfriert bzw. vereist. Wenn es friert, dann legen sie Äpfel nur im Ganzen aus, die Vögel picken sich die geeignete Stücke ab.

Vogelfutter einkaufen

Sowohl für Körnerfresser als auch Weichfutterfresser gibt es im Handel eine Vielzahl an eigens auf die Bedürfnisse der Vögel abgestimmte Körnermischungen in verschiedenen Preiskategorien. Für die Körnerfresser werden z.B. unteschiedlichste Mischungen aus Sämereien mit harter Schale angeboten.

Da viele Arten im Winter auch fettreiches Futter zu sich nehmen, findet man während der Winterzeit fast überall im Handel die beliebten Meisenknödel bzw. Meisenringe.

Für die Weichfutterfresser gibt es natürliches weiches Futter aus Beeren oder gequetschten Körnern.

Wie kann aber nun gutes Futter von weniger gutem unterscheiden? Hier ein paar Einkaufstips:

  • Zertifizierung: Ist das Futter von einer deutschen oder europäischen Vogelschutzorganisation zertifiziert? Nur Hersteller, die einen besonders hohen Wert auf die Qualität ihrer Produkte legen, lassen ihr Futter von Vogelschutzverbänden testen und zertifizieren.
  • Kaloriengehalt: Findet sich auf der Packung die entsprechende Angabe in kcal? Der Anbieter muss den Ölgehalt aller Zutaten genau kennen, will er diese Angbabe machen.
  • Ausfall: Viele Anbieter strecken ihr Futter mit sog. Füllmitteln. Da die Vögel diese nicht fressen, findet man sie als Ausfall in oder unter der Futterstelle. Ist der Ausfall zu groß, dann kann dies ein Anzeichen für minderwertiges Vogelfutter sein.
  • Reinigung: Je häufiger die Ausgangsstoffe gereinigt werden, desto geringer ist die Verschmutzung des Futters, z.B. mit hochallergenen Ambrosia-Samen, die auch über Vogelfutter verbreitet werden. Indem man beim Einkauf auf ambrosiafreies Futter achtet kann man helfen, deren weitere Ausbreitung einzudämmen.

Winterfütterung von Wasservögeln

Wasservögel füttern

Wasservögel, wie zum Beispiel Enten, Schwäne oder Gänse finden in der Regel genügend Futter in der Natur. Sind die Seen und Teiche allerdings zugefroren, können zusätzliche Futterstellen helfen.

Altes Brot sollte an Wasservögel, wenn überhaupt, dann nur in Maßen verfüttert werden. Auch sollte das Futter nur am Uferbereich angeboten werden. Das Vogelfutter sollte also auf keinen Fall ins Wasser geschüttet oder auf den zugefrorenen Seen und Teichen ausgelegt werden. Dieses Verhalten soll helfen eine übermäßige Belastung der Gewässer durch Futterreste verhindern.

Der richtige Standort für die Futterstelle

Für das Wohlbefinden der Vögel spielt die Auswahl einer geeigneten Futterstelle eine wichtige Rolle. Einerseits sollte der Futterplatz so ausgewählt sein, dass die Tiere sich bei der Nahrungsaufnahme sicher fühlen können. Andererseits sollte man die Vögel gut beobachten können, ohne sie zu verängstigen.

Am besten eignet sich ein Platz, der von allen Seiten frei einsehbar ist (z.B. mitten im Garten, falls dort Platz für ein Vogelhäuschen ist), damit die Vögel rechtzeitig bemerken, wenn sich ein Feind nähert. Als katzensicher gelten frei stehende Futterstellen, die mindestens 1,50 m über dem Boden auf einem glatten Stab befestigt sind oder in ausreichender Entfernung zum Baumstamm an einem Ast hängen.

Auch Hauswände haben sich als Standorte für Futterhäuschen bewährt, wenn die Vögel einen freien Blick in die übrigen drei Richtungen haben. Die Futterstelle sollte dabei aber nicht direkt am Fenster oder am Hauseingang stehen, weil die Vögel sonst leicht erschreckt werden.

Das richtige Futterhäuschen

Ein Futterhäuschen sollte stets so aufgebaut sein, dass es von möglichst vielen unterschiedlichen Vogelarten angeflogen werden kann.

Klassische Vogelhäuschen sind eher weniger geeignet für das Füttern. Aufgrund der Bauweise sitzen die Vögel in ihnen direkt am Futter und können das Futter mit ihrem eigenen Kot verschmutzen.

Damit sich auf diesem Weg keine ansteckenden Krankheiten verbreiten, sollte ein klassisches Futterhaus daher mindestens einmal täglich gründlich ausgefegt werden bevor neues Futter nachgelegt wird.

In jedem Falle sollte ein weit überstehendes Dach den Körner-Mix vor Nässe, Eis und Schnee schützen.

Besser geeignet sind Futtersäulen oder Futtehaussilos mit einem Trichter. Diese Futterstellen sind besonders hygienisch, da die Vögel hier keinen oder kaum Kot absetzen können.

Gleichzeitig spenden sie nur soviel Nahrung, wie die Vögel benötigen und das Futter bleibt trocken. Man bekommt diese Futterspender im Zoofachhandel bereits für wenig Geld.

Tipp: Kaufen nach Möglichkeit kein rotes Futterhaus, da diese Farbe für die Vögel ein Alarmsignal bedeutet und sie eher verschreckt als anlockt.

Hygiene am Futterplatz

Ein Vogelhäuschen sollte täglich gereinigt werden, um die Ausbreitung von Krankheiten unter den Tieren zu verhindern. Der Zoofachhandel hält für die Reinigung von Futterstellen bzw. Futterhäuschen spezielle Desinfektionsmittel bereit, die man auch anwenden sollten.

Es lässt sich nämlich leider nicht vermeiden, dass die Vögel beim Fressen den Futterplatz mehr oder weniger vollkoten. Im Kot vieler Wildvögel finden sich verschiedene Keime und Krankheitserreger, denen das von Schnee und Regen aufgeweichte Futter einen idealen Nährboden zur Vermehrung bietet. Wird dann dieses verseuchte Futter von gesunden Vögeln gefressen, können sich beispielsweise Salmonellen unter den Besuchern der Futterstelle ausbreiten.

Auch sollten nach Möglichkeit sämtliche Futterreste, die sich am Abend noch im Futterhaus befinden, eingesammelt und entsorgt werden.

Kein Futter ohne Wasser – die Tränke

Die meisten einheimischen Vögel benötigen regelmäßig Wasser zum Trinken und zur Gefiederpflege. Als geeignete Tränke reicht schon eine flache Tonschale mit flach abfallenden, nicht zu rauhen Rändern. Ein Stein oder eine Erhebung in der Mitte dient als Sitzplatz. Platziert wird die Tränke nahe der Futterstelle.

Auch hier gilt es, wegen der Übertragungsgefahr von Krankheiten, das Wasser möglichst täglich zu wechseln und die Tränke zu säubern.

Vogeltränke im Winter